"Klein England" in Sachsen-Anhalt entdecken

Am Rande des Altmarkdorfes Letzlingen fühlt man sich nach “Klein England” versetzt. Einflüsse der Royals auf Jagdschloss und Schlosskirche sind nicht zu verhehlen. Die Windsors und die Tutors lassen grüßen. Mit Türmen und vermutlich nur symbolisch wehrhaften Mauern ist eine malerische Idylle entstanden. Fehlen nur noch die Gardesoldaten der Queen, Britannia wäre zufrieden. Von Klaus-Peter Voigt



Das alte Gemäuer, dessen Grundstein im Mittelalter gelegt wurde, hatten es Friedrich Wilhelm IV. angetan. Er verfügte den kompletten Umbau. Von 1843 bis 1913 fanden dann in der Colbitz-Letzlinger-Heide ausgedehnte Hofjagden statt.

Vom einzigen Schloss der Hohenzollern in Sachsen-Anhalt startet eine 80 Kilometer lange landschaftlich reizvolle Entdeckertour für Radler durch die Altmark. Sie führt entlang des Flüsschens Milde unter anderem über Gardelegen, Kalbe (Milde) bis nach Arendsee. Beinahe unbemerkt wandelt die Milde in der Nähe von Vienau ihren Namen und wird zur Biese. Fast auf der gesamten Strecke kommen die Radfahrer gut voran. Unbefestigte Wald-, Feld und Wiesenwege wechseln sich mit befestigten Abschnitten ab. In Richtung Arendsee bei Dolchau gibt es eine leichte Steigung auf knapp 98 Meter. Dann geht es über die Ausläufer der Arendseer Hochfläche weiter. Der Luftkurort selbst lädt zum Erholen ein. Sportler finden beim Tauchen, Schwimmen oder Wandern Entspannung.

Seit Oktober 2010 erwartet auf etwa halber Strecke des Radwegs das Landhotel "Zum Pottkuchen" seine Gäste. Inhaber Stefan Quisdorf hat sich besonders auf Radtouristen eingestellt. "Das Paket für die Freizeitsportler ist in der Region nahezu ideal geknüpft", berichtet er. Mehrere Hotels kooperieren, bieten auf Wunsch den Transport des Gepäcks von einem Haus zum anderen an. Dass Reparaturen am Drahtesel vermittelt würden, das verstehe sich von selbst. Als immer beliebter erweisen sich Reisen auf dem direkt in der Altmark ausgeliehenen E-Bike. Der leere Akku lässt sich dann auf den Unterwegshalten problemlos bei einer Reihe von Partnern gegen einen frisch geladenen tauschen. Und der Hotelier empfiehlt als besonderes Schmankerl den altmärkischen FahrradBus. Alle zwei Stunden fahren die regulären Linienbusse im Sommer mit einem Fahrradgepäckträger. Sollten Gruppen auf diese Offerte zurückgreifen wollen, dann müssten diese nichts weiter tun, als rechtzeitig beim regionalen Personennahverkehrsanbieter PVGS einen Heckträger oder Anhänger für ihre Zweiräder zu ordern. Das klappe tadellos.

Doreen Klein-Quisdorf schwärmt als gebürtige Altmärkerin für die unberührte Natur entlang des Radwegs. Bei Vienau passiert der Kurzurlauber ein europäisches Vogelschutzgebiet. Der große Brachvogel, der Rotmilan, die Feldlerche, der Kiebitz, der Eisvogel und andere lassen sich mit ein wenig Glück beobachten. Ansonsten sind es flache Wiesenlandstriche, ein Grabensystem von kleinen Wasserläufen und weidende Kühe, die ländliche Idylle erlebbar machen.

Der im Zentrum der Kalbenser Altstadt gelegene Innenring, gebildet aus drei Straßen, wird landläufig als "Pottkuchen" bezeichnet, berichtet die junge Frau. Aus diesem Grund kam das Hotel zu seinem Namen. Im 12. Jahrhundert hatten flämische Kolonisten die Milde ab Schenkenhorst nach Kalbe umgeleitet und eingedeicht. Ihre Erfahrung bei solchen Projekten als Wasserbautechniker war gefragt. Sie hatten die heutige Innenstadtstruktur maßgeblich mitgestaltet.

Arendsee am Ende der Milde-Biese-Tour hält viel Entdeckenswertes bereit. Bei dem gleichnamigen See handelt es sich mit mehr als fünf Quadratkilometern Fläche um den größten natürlichen See des Bundeslandes. Seine Entstehung geht auf mehrere Einbrüche des Untergrundes, zuletzt 1685, zurück. Spezialität des Sees sind Maränen, jene Flossentiere, die zu den Lachsen gehören. Ihre Ansprüche erweisen sich als hoch, sauberes, klares, sauerstoffreiches und vor allem tiefes Wasser brauchen sie zum Leben ebenso wie eiweißreiches Zooplankton. Beim Fischermeister Wilfried Kagel in Zießau gibt es die Maräne frisch geräuchert, eine Spezialität, die unbedingt probiert werden muss.

Weitere Informationen und Reisetipps hat die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH (IMG) unter www.sachsen-anhalt-tourismus.de zusammengestellt.

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