Holunderradweg durch die Börde

Holunderradweg durch die Börde Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH

Man kann sie nicht zählen, die vielen Rezepte und Geschichten rund um den Schwarzen Holunder. Doch heute ist fast vergessen, wie er einst die Menschen ernährt hat und welche Heilkraft ihm inne wohnt. Der Holunder begleitet noch immer den Alltag der Menschen. Zu Tausenden säumen die wilden Sträucher die Wege. In der Region um Magdeburg gedeihen sie besonders gut.

Zwei Mal im Jahr geben sich die unscheinbaren Weggefährten zu erkennen - im Frühjahr mit ihrer duftenden weißen Blütenpracht und auch im Herbst, wenn die Beerendolden schwarz und rot glänzen. Eine gute Gelegenheit, die Holunderradwege in der Börde zu erkunden. Nah an der Straße der Romanik haben sie unter anderem eine Plantage und das Holunderkontor zur Station. Dort kann man einkehren, alte Rezepte kosten und erfahren, was früher ganz selbstverständlich alle wussten: Holunder ist gesund und lecker. So verführerisch die Beeren auch leuchten: Unterwegs naschen ist verboten. Holunder muss unbedingt erhitzt werden, bevor man ihn verzehrt. Nur Appetit darf man sich auf dem Fahrrad holen und natürlich für den heimischen Kochtopf ernten. Entschädigt werden die Ausflügler dann bei der Einkehr im Holunderkontor im Bördedorf Niederndodeleben.

Dort ist Ursula Duchrow-Buhr schon in ihrer Schauküche zugange. Auf der großen Arbeitsplatte in der Mitte des Raumes stehen etliche leere Flaschen und Gläser. Gerade klingelt der Kurzzeitwecker und sie nimmt einen großen Topf von der Gasflamme. "Deutschlands erstes kulturhistorisches Informations- und Dokumentationszentrum für den Holunder" heißt die Einrichtung. Doch das klingt viel zu amtlich für die liebevoll sanierte alte Scheune hinter Frau Duchrow-Buhrs Privathaus. Ein idyllisches Kleinod hat sie hier mit ihrem Mann geschaffen, als sie den ruinösen Bördehof mit seinen typischen Bruchsteinmauern saniert und den kleinen Garten mit den elf verschiedenen Kultursorten von Holunderbäumen angelegt hat. Im urigen Gastraum steht ein Holzofen, von der Decke hängen getrocknete Gräser. An den Tischen finden etwa 20 Personen Platz. Hier sollen Menschen zusammenfinden, Vorträgen lauschen, Holunderprodukte verkosten. Doch vor allen Dingen soll die Zeit etwas langsamer vergehen, sollen die Besucher genießen, entspannen und miteinander ins Gespräch kommen. In den Regalen stehen Wein, Sirup, Gelee und Likör – alles vom Holunder. Die Marmelade mit ganzen Beeren heißt „Schwarzer Kardinal". Zur Stärkung für die erschöpften Radfahrer gibt es Holunderbeerensuppe mit Eierschaum und Grießklößchen.

So kann ein langer Tag angemessen ausklingen. Die Gruppe hat sich bereits die Friedhofskapelle in Bebertal sowie die Ruine Nordhusen bei Hundisburg angeschaut. Beide gehören zur Straße der Romanik und sind nur einen Steinwurf vom Holunderradweg entfernt. In Hundisburg gibt es zudem ein prächtiges barockes Schloss zu bewundern. Dabei braucht es gar nicht die Höhepunkte, um staunen und genießen zu können. Vor allen Dingen soll mit dem Radweg der Blick auf die Schönheit gelenkt werden, die in der Einfachheit liegt. Auf Natur und Architektur. Er führt durch 14 kleine Bördedörfer, manche von ihnen mit zwei oder drei Kirchen. Wie kleine Edelsteine funkeln die Siedlungen in der weiten Landschaft. Wer genau hinsieht, der kann Schätze entdecken. Das ist es, was der Holunder lehrt. Nicht umsonst werden seine Früchte als die schwarzen Perlen der Börde bezeichnet.

Der Schwarze Holunder ist eine uralte Heil- und Nutzpflanze, um die sich viele Mythen ranken und die überall in der Natur zu finden ist. Allein seine geschriebene Geschichte reicht 2500 Jahre zurück. „Oh, wer zählt die Wunder alle dieses Bäumchens wohl. Rinde, Beere, Blatt und Blüte, jedes Teil ist Kraft und Güte, jedes segensvoll", lautet ein Reim aus einem Kräuterbuch aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Seinen Wert macht nicht nur der außergewöhnlich hohe Anteil der roten und blauen Farbstoffe in den Beeren aus, sondern auch das reichlich enthaltene Vitamin C. Unschlagbar bei Erkältungen in der kalten Jahreszeit oder einfach nur zur Stärkung des Immunsystems. Früher glaubte man, dass in jeder Holunderblüte eine Elfe, eine hilfreiche „Holde" wohnt. Deshalb war der Name für die Holunderplantage im Bördedorf Barby schnell gefunden: Sie heißt Elfenwiese und ist genau wie das Kontor Teil des Radweges. Das Wegenetz umfasst 100 Kilometer. Vier Routen stehen zur Auswahl, die kleinste ist nur sechs Kilometer lang. Von Magdeburg aus können sie zum Beispiel über den Börderadweg erreicht werden. Es gibt auch Anschluss an den Elbe-Aller-Radweg und andere. Für den Rückweg am Abend bietet sich der Zug an: Von Niederndodeleben aus fährt er stündlich RichtungLandeshauptstadt.

Ausführliche Informationen zum Holunderradweg gibt es beim Verein Holunder-BUND e.V., Tel.: 039204-66258, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.holli-holler.de. Am 19. Oktober beteiligt sich das Holunderkontor am „Tag der Süßen Tour". Darsteller schlüpfen in die Rollen von Holli Holler und Schugar Rübi, stellen den "Rübenholler" vor und laden zur Verkostung ein. Informationen zur „Süßen Tour" und weitere Reisetipps für die Region rund um Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg finden Interessierte im Internet unter www.elbe-börde-heide.de. Angebote rund um die Straße der Romanik sind unter www.strasse-der-romanik.de zusammengestellt.

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